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Wer war Hermann Maas?
Hermann Maas wurde 1877 als Sohn des damaligen evangelischen Pfarrers
in Gengenbach geboren. Als Pionier der ökumenischen Bewegung hat
sich Maas
seit 1913 für den Frieden zwischen Religionen und Völkern eingesetzt.
Als Pfarrer an der Heiliggeist-Kirche in Heidelberg (1915-1943) wurde
er zwischen 1933 und 1945 unter großem persönlichen Einsatz
zum Helfer und Retter für zahllose Juden. 1950 wurde Maas als erster
Deutscher nach dem Krieg vom Staat Israel eingeladen. Bis zu seinem Tod
1970 engagierte er sich in seiner theologischen Arbeit für die Versöhnung
zwischen Juden, Christen und Deutschen. In der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte
Yad Vashem erinnert der erste Baum in der "Allee der Gerechten"
an das mutige Eintreten des badischen Pfarrers für die Menschlichkeit.
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Zeittafel Hermann Maas
1877, 5. August Hermann Maas als Sohn des Pfarrers Philipp Maas
und seiner Ehefrau Maria geb. Goos in Gengenbach/Baden geboren.
1896-1900 Studium der Evangelischen Theologie in Halle, Straßburg
und Heidelberg.
1900 durch L. Schmitthenner in Freiburg ordiniert.
1900-1903 Vikar in Rheinbischofsheim und Weingarten, Stadtvikar
in Pforzheim und Lörrach.
1903 Teilnehmer als Besucher beim 6. Zionistenkongreß in
Basel: Erste Begegnung mit Theodor Herzl, Chaim Weizmann und Martin Buber.
1903-1915 zuerst Pfarrverwalter und dann Pfarrer in Laufen/Sulzburg
(Baden)
1904 Eheschließung mit Kornelie Hesselbacher: drei Töchter
(Brigitte, Kornelie und Gisela) gehen aus der Ehe hervor.
1913-1922 Schriftleiter der liberalen Zeitung "Süddeutsche
Blätter für Kirche und freies Christentum".
1914 Teilnehmer der kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs in Konstanz
stattfindenden Gründungsversammlung des "Weltbunds für
internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen"
1914 für die Kirchlich-liberale Vereinigung Mitglied der Generalsynode.
1915-1943 Pfarrer an der Heiliggeistkirche in Heidelberg.
1918 Beitritt zur Deutschen Demokratischen Partei (DDP): für
zwei Wahlperioden Stadtrat in Heidelberg.
1919 Mitglied der Freimaurerloge "Zur Wahrheit und Treue"
1919 Mitglied der nach dem Ende des landesherrlichen Kirchenregiments
in Baden einberufenen verfassungsgebenden Generalsynode.
1925 Delegierter bei der Tagung des "Weltbundes für internationale
Freundschaftsarbeit der Kirchen" in Stockholm: Begegnung mit Erzbischof
Nathan Söderblom.
1925 Beerdigung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert.
1928,26.-29.April Tagung der deutschen Sektion des "Weltbundes
für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen" in Heidelberg
zum Thema "Die Abrüstungsfrage".
1932 Beitritt zum Verein zur Abwehr des Antisemitismus.
1933 im Frühjahr mehrmonatige Studienreise nach Palästina.
1933/34 Beitritt zum Pfarrernotbund und zur badischen Bekenntnisgemeinschaft.
1933-1945 wegen seines Eintretens für die verfolgten Juden
vielfältige Behinderungen im Dritten Reich (z.B. Rede-, Schreib-,
Aufenthalts- und Berufsverbote).
1938 mit Heinrich Grüber u.a. Gründung der Kirchlichen
Hilfsstelle für Nichtarier (sog. Büro Grüber): Hermann
Maas für Baden zuständig.
1943 zwangsweise vom Evangelischen Oberkirchenrat auf Druck des
Regimes in den Ruhestand versetzt.
1944 Deportation nach Frankreich zur Zwangsarbeit.
1945 Besuch von George Bell, Bischof von Chichester bei Maas in
Heidelberg.
1945 unterliegt Maas Julius Bender bei der Wahl zum Landesbischof.
1946 Teilnahme an Beratungen der ökumenischen Flüchtlingskommission
in der Schweiz.
1946 5wöchiger Aufenthalt in England: Teilnahme an der Konferenz
des Council of Christians and Jews; Begegnung mit Victor Gollancz.
1946 Kreisdekan des Kirchenkreises Nordbaden, ab 1956 mit
dem Titel Prälat.
1947 Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Universität
Heidelberg.
1948 Delegierter bei der Gründungsversammlung des Ökumenischen
Rats der Kirchen in Amsterdam.
1950 als erster Deutscher nach dem Krieg vom Staat Israel zu einem
Besuch in Israel eingeladen.
1952 Ehrenbürger der Stadt Heidelberg.
1953 Erstbepflanzung des Hermann-Maas-Hains in den Gilboabergen,
Israel.
1954 Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
1965 in den Ruhestand versetzt.
1967 Verleihung der Yad Vashem Medaille der 36 Gerechten unter
den Völkern in Jerusalem: In der Allee der Gerechten in Yad-Vashem,
Jerusalem, wird ein Johannesbrotbaum für Maas gepflanzt.
1970 27. September in Mainz-Weisenau gestorben.
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Anwalt der Verfolgten - Rückblick eines 75jährigen
von Hermann Maas
Ich bin am 5. August 1877 in Gengenbach im badischen Schwarzwald als
Sohn eines Pfarrers und einer Pfarrtochter geboren. Durch meine Mutter
entstamme ich dem evangelischen Pfarrhaus in ununterbrochener Folge durch
Jahrhunderte hindurch. Aufgewachsen bin ich in Gernsbach im Murgtal, wohin
meine Eltern, als ich ein Jahr alt war, übersiedelten. Dort besuchte
ich nach der Volksschule die höhere Bürgerschule, die mein Vater
neben seinem Pfarramt leitete. Daran schloss sich mein Besuch des Gymnasiums
in Heidelberg für drei Jahre und des Gymnasiums in Mannheim an, wo
ich 1896 mein Abitur machte.
Als Knabe schon konnte ich mir für mich keinen anderen Beruf als
den eines Pfarrers denken. Auf dem Gymnasium tauchte freilich in den letzten
Jahren immer wieder die Frage auf, ob ich nicht Mathematiker werden sollte.
Ich entschied mich aber dann doch für die Theologie ...
Im Jahre 1913 schickte man mich zum ersten Mal auf eine Weltkonferenz,
und zwar war das ein religiöser Weltkongress, der drei Wochen lang
in Paris tagte und auf dem sich fast alle Religionen der Weit in zum Teil
hochinteressanten Persönlichkeiten begegneten - ein unvergessliches
Erlebnis. 1914 aber gehörte ich zu denen, die auf dem Boden der christlichen
Kirchen, ohne darum die anderen Religionen zu verachten, eine wirksame
Friedensbewegung begründen wollten. In den ersten Augusttagen 1914
wurde in Konstanz der " Weltbund für internationale Freundschaft
durch die Kirchen" gegründet. Jäh brachen diese Tage ab,
um des ersten Weltkriegs willen, dessen Ausbruch wir wenigen Männer
aus mancherlei Kirchen und Völkern nicht verhüten konnten. Aber
ich habe mein Leben lang diese Linie nicht verlassen und bin nur in der
kommenden Zeit immer radikaler geworden in dem Kampf um den Frieden und
um eine wirklich aktive Gewaltlosigkeit. Darum blieb ich auch bewahrt
vor jedem Nationalismus und jeder Kriegsbegeisterung während der
Jahre 1914-1918 und versuchte nach dessen furchtbarem Ende in dem Kampf
für den Frieden Trost zu finden und anderen zu geben ...
Den sogenannten "Umbruch" 1933 habe ich kaum miterlebt. Er fiel
in meine letzten Vorbereitungen zu einer mehrmonatlichen Palästinafahrt...
Als ich heimkam, wurde ich schon am zweiten Tag von der SA bedroht und
zuerst mit Gewalt gezwungen, auf die Predigttätigkeit zu verzichten.
Englische Freunde griffen ein und haben es mir möglich gemacht, weiter
zu wirken. Dass aber eine Zeit des Kampfes ohne Ende damit angebrochen
war, war mir vom ersten Tag an klar. Ich habe ihn in den Reihen des "Pfarrenotbundes"
und der "Bekennenden Kirche", denen ich sofort beitrat, gekämpft
und sobald wie möglich Hilfsstellen gegründet für die nichtarischen
Christen, um ihnen bei der Auswanderung zu helfen und in der äußeren
Not beistehen zu können...
Ich vergesse nie die furchtbaren Erlebnisse jener Jahre, die Besuche der
vielen Verfolgten und Gequälten, die seelische und körperliche
Not der durch die Nürnberger Gesetze Gejagten, dieses Tag und Nacht
Geängstigt- und Bedrohtsein der vielen, das ich miterlebt habe, als
wäre es mein eigen Geschick. Mit vollem Bewusstsein habe ich damals
dieses eigene Leben und Geschick verflochten in das grausige Geschick
des jüdischen Volkes...
(Auszug aus "Leben für Versöhnung", Hans Thoma Verlag,
Karlsruhe 1997, Seite 12ff.)
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